Was tun, wenn dir der Trick vermasselt wird?
Mir passiert das normalerweise auch, aber ich kann es meistens im laufenden Betrieb retten – doch manchmal ruinieren sie dir den Effekt so gründlich, dass man einfach nicht mehr weiterweiß.
Es ist mir schon passiert, dass ich eine Transposition zeigen wollte, die Zuschauer aber meine Anweisungen nicht befolgen und man am Ende die Karte zeigt, womit die gesamte Präsentation im Eimer ist.
Habt ihr einen Rat für mich?
Ich sag dir mal, wie ich das mache – und ich habe selbst schon unzählige Male gepatzt...
Erstens wissen die Zuschauer ja gar nicht, was du vorhast – es sei denn, du hast den Effekt von Anfang an genau erklärt. Davon würde ich aber abraten, weil sie dann nur noch darauf aus sind, dich zu erwischen, anstatt die Vorführung zu genießen. Du musst also lernen, das Ganze spontan auf der Stelle anzupassen.
Wenn möglich, nutze ein markiertes Deck oder hol dir irgendwie einen Glimpse, um die Karte des Zuschauers zu kennen und auf Nummer sicher zu gehen. Aber das hängt natürlich von der Art des Tricks ab. Ich persönlich mache das ziemlich oft.
Zweitens: Pokerface aufsetzen und ein paar Outs parat haben. Ich kann zum Beispiel den Cull ganz gut (mehr oder weniger) und den Faro-Shuffle. Wenn ich die Karte also weiß, bringe ich die Sache direkt zu Ende. Wenn nicht, frage ich einfach: „Was war deine Karte?“ Sobald sie es mir sagen, suche ich sie offen im Deck und bringe sie unauffällig nach ganz oben auf die Top-Position. Ab da gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Ich palmiere die Karte und lasse sie woanders erscheinen.
Ich mache einen Mercury Fold und bringe sie an einem kleineren Ort unter (vorausgesetzt, das Deck ist mir egal).
Da sie ohnehin ganz oben liegt, enthülle ich sie direkt.
Ich kontrolliere sie an die 17. Stelle und mache eine psychologische Force: Ich bitte sie, mir eine „schwierige“ Zahl unter 20 zu nennen. Die meisten sagen 17, manche auch 19 oder eine andere Zahl. Je nachdem musst du dann eben Karten abziehen oder hinzufügen.
Ich culle ihre vier Karten und bringe sie mit zwei Faros so in Position, dass sie beim Austeilen alle im selben Stapel landen (ich mache mal ein Video dazu, um zu zeigen, was ich meine).
Aber unterm Strich geht es einfach darum, das Ende anzupassen, wenn du merkst, dass du es vermasselt hast. Denk dran: Die Zuschauer wissen nicht, wie der Trick eigentlich ausgehen sollte – das weißt nur du.
Alex hat neulich in einer anderen Gruppe vorgeschlagen, immer ein Invisible Deck dabeizuhaben – das halte ich auch für eine super Option.
Aber im Grunde läuft es darauf hinaus, das Scheitern und das Retten selbst zu trainieren.
Und zum Schluss möchte ich noch ein Buch empfehlen, das ich gerade lese und das mir der großartige @DeZeta ans Herz gelegt hat: „El ensayo del fallo“ von Ángel Simal. Ich finde es absolut genial und es ist fantastisch geschrieben, um genau in diesem Bereich dazuzulernen.
Hallo @M_a_p !
Vor einiger Zeit habe ich dieses Video aufgenommen, in dem ich darüber spreche, was man tun kann, wenn ein Kunststück mal in die Hose geht:
Zwischen dem Video und dem, was @Zeta und @cdiaz geteilt haben, hast du mehr als genug Anregungen, um aus jeder Situation elegant wieder herauszukommen 😉.
Wie dem auch sei, du musst wissen, dass ein Fehler völlig menschlich ist und die Zuschauer dafür Verständnis haben, solange du aufrichtig bleibst und eine gute Atmosphäre schaffst.
Tatsächlich ist nicht der Zuschauer das größte Problem, sondern all die Schuldgefühle, Scham und Gedanken, die wir uns selbst einreden.
Der wohl beste Rat, auch wenn er am schwersten umzusetzen ist: Mach dir keinen Kopf.
Das heißt nicht, dass es dir egal sein soll, ob das Kunststück gelingt, sondern dass du weißt, dass Fehler zur Natur des Menschen gehören. Solange du mit guter Absicht auftrittst, werden die Leute es verstehen.
Genieße vor allem die Magie, dafür ist sie schließlich da 😋.
Mit der Zeit wirst du mehr Erfahrung und Selbstvertrauen gewinnen und merken, dass das kein Problem mehr darstellt (selbst wenn man mal einen Fehler macht).
Alles Liebe!
Hi zusammen.
Erst einmal: Man braucht Alternativen. Sowohl Kunststücke mit Stack als auch Impromptu-Effekte oder mathematische Tricks (die in meinem Fall meistens Lebensretter sind).
Aber eigentlich ist das Wichtigste, seine Vorführung so zu planen, dass man auf so etwas vorbereitet ist.
Zum Beispiel:
Wir haben das Deck im Mnemonica-Stack (einer bestimmten Reihenfolge), aber (so mache ich das) zwei perfekte Faros davon entfernt, spielbereit zu sein. Im Normalfall hole ich das Deck heraus, mache ein paar falsche Abheber und nach einem kurzen Vortrag mache ich die perfekten Faros, um mein Deck in die gewünschte Ausgangsposition zu bringen. Während ich das tue, wiederhole ich mehrmals und frage den Zuschauer: „Ist das Kartenspiel gemischt? Du siehst doch, wie ich mische ... Folgt das irgendeinem Muster? Nein, oder?“
Wenn alles glattläuft (was meistens der Fall ist), mache ich mit den Mnemonica-Effekten weiter ... aber wenn dann der typische Besserwisser an der Reihe ist, der sagt: „Gib mal her das Deck, lass mich mal mischen“ ...
Bleib ganz entspannt, nimm all deine Geduld zusammen und sag:
„Wir Zauberer lassen die Leute normalerweise nicht an unsere Karten, nicht weil sie präpariert sind, sondern weil ihr normalerweise ALLE SCHMUTZIGE HÄNDE HABT und Kartenspiele teuer sind!“ 🤣 🤣 😂 😂
Die allermeisten sagen danach gar nichts mehr und ich mache einfach mit dem Trick weiter.
Aber für diejenigen, die hartnäckig bleiben (und sich im Zweifel sogar die Hände waschen gehen), ganz ohne Angst:
a) gebe ich ihm das halbe Deck zum Mischen (während ich die andere Hälfte falsch mische – mit Mnemonica und nur der halben Baraja lassen sich trotzdem super viele Effekte vorführen)
b) gebe ich ihm das ganze Deck, er kann mischen und alles durcheinanderbringen, wie er will. Ich zeige ihm einen mathematischen Trick, und wenn sie gerade abgelenkt sind (beim Höhepunkt des Tricks und der allgemeinen Aufregung), mache ich heimlich einen Deck-Switch zu einem vorpräparierten Backup-Deck, das ich in Deck-Holdern bereit halte. So kann ich weiter Mnemonica-Effekte vorführen (wobei ich danach besonders darauf hinweise, dass das Deck ja vom Zuschauer selbst gemischt wurde)
Das funktioniert sowohl mit Mnemonica als auch mit Stebbins oder jedem anderen Stack, den man nutzen möchte.
Ist nur so eine Idee, die ich selbst nutze.
Viele Grüße und gut Trick!!!
Erzähl mir mal ein bisschen darüber: Wie memorisierst du das Deck, nachdem du den Stack gelegt hast?
Es kommt auf das Kunststück an, auf dein Wissen, auf deine Dreistigkeit – man kann sich da elegant aus der Affäre ziehen. ... Oder eben nicht.
Es wurden hier schon einige sehr gute Antworten gegeben. Mein Beitrag dazu ist, dass man nicht immer alles richtig machen muss und lernen sollte, auch mit Fehlern zu leben. Manchmal greift man nach der falschen Karte, steckt sie in den falschen Umschlag, das Seil will an dem Tag einfach den Knoten nicht auflösen oder man hat morgens einfach zwei linke Hände und nichts klappt. Na ja, halb so wild. Wenn alles Teil einer Routine ist, hast du sicher noch andere Kunststücke, mit denen du glänzen kannst.
Normalerweise kündigt der Magier seine Schritte nicht im Voraus an und das Publikum sollte nicht wissen, was als Nächstes passiert. Wenn ein Fehler passiert, solltest du genug Spielraum haben, um unbemerkt zu entkommen: einen Witz erzählen, ein schlagfertiges Out parat haben oder wortlos zu etwas anderem übergehen. Deshalb ist es gut, sich selbst aufzunehmen – nicht nur, um Fehler zu finden und an der Technik zu feilen, sondern auch, um zu sehen, wie man aus solchen Situationen herauskommt, welche Reaktion besser gewesen wäre, welches Out das Publikum einem verzeihen würde usw.
Vor Kurzem hat sich eine Zuschauerin beim Reveal bei der Karte vertan und mich völlig auflaufen lassen. Ich sagte: "Tja, das hat wohl nicht geklappt". Da sie die Karte vorher dem Publikum gezeigt hatte, wurde sie korrigiert und die Situation war gerettet – aber ich halte meine Reaktion für einen Fehler. Ich hätte sagen sollen: "Es gibt noch andere Karten" oder so ähnlich. Aber auf diese Weise habe ich den Zuschauern erst bewusst gemacht, dass etwas schiefgelaufen ist und ich keine Kontrolle über die finale Karte hatte. Genau solche Dinge gilt es zu vermeiden, ganz abgesehen davon, mögliche Fehler auszubügeln, die selbst namhafte Magier mal haben.
Die Kollegen haben ja schon einiges beigetragen, deshalb es ist wahrscheinlich ein bisschen redundant.
Das Erste ist einfach die Erfahrung. Mit der Zeit merkt man, dass es keine gute Idee ist, bestimmte Dinge dem Zuschauer zu überlassen (das hat Gabi immer gesagt, ich weiß nicht, ob er Ascanio oder Tamariz paraphrasiert hat: „Den Climax niemals dem Zuschauer überlassen“; obwohl das nicht immer stimmt – oft ist es sogar viel stärker, wenn sie den Climax selbst auslösen, aber man muss eben wissen, wann und wie). Ich habe mal bei Tamariz' „Mal Matemático“ ausprobiert, das Abzählen den Zuschauern zu überlassen, und das war eine absolute Katastrophe – in meinem Kopf klang das genial. Aber man merkt es erst, wenn man es wirklich macht. Man muss eben Fehler machen, das gehört dazu.
Manchmal spielen die Umstände einfach nicht mit. Vor ein paar Tagen habe ich versucht, Gabis „Incauto“ für ein paar Freunde mitten auf einer Party zu zeigen, und es gab einfach keine Chance, dass sie kapiert hätten, welches die gleichen Karten waren (wir hatten alle schon viieeel Bier intus). Ich hatte das Ditching schon gemacht, also gab es keinen Weg zurück, um das Ganze nochmal zu erklären. Also bin ich zu einem einfachen Triumph-Effekt gewechselt und habe die Karten danach unauffällig vom Schoß aufgesammelt.
Und dann gibt es Zuschauer, die sich einfach nicht an die Anweisungen halten, völlig egal, wie man es erklärt. Es gibt da eine Force, die ich auf einer Zauberer-Website gesehen habe und absolut genial fand, aber ich weiß nicht, warum manche Leute der Anleitung einfach nicht folgen können (das ist mir bestimmt jedes zweite Mal misslungen). Bei einem Mentaltrick ist so ein Fehler natürlich fatal, weil dann gar nichts mehr geht. In so einem Fall hilft nur ein: „Tut mir leid, aber heute ist wohl nicht der richtige Tag dafür – machen wir lieber mit etwas anderem weiter.“ Einfach eingestehen, aber ohne großes Drama, und weitermachen. Kein großes Ding draus machen. Analysieren kann man das später. Diese Force habe ich jedenfalls komplett aussortiert.
Außerdem gibt es ja immer Möglichkeiten für ein Out, wie oben schon gesagt wurde. Wenn es um eine Karte geht und sie die irgendwie falsch verlieren, fragt man halt nach der Karte und macht eine Transposition mittels Cull, oder man palmiert sie, um sie in die Brieftasche zu bringen ... „Aber welche Karte hattest du denn? Das kann nicht sein, die habe ich doch hier in meiner Brieftasche!“ Oder man bringt sie mit einem Double Lift aus der Mitte nach oben, dreht sie um, zerreißt die obere Karte, weil sie eine „rebellische Karte“ ist (weshalb der Trick nicht klappt), und startet direkt in eine ehrgeizige Karte, weil sie ja jetzt wieder top liegt ... Es gibt auch Leute, die Impromptu-Zauberei wie Henry Evans machen, aber das erfordert enorm viel Routine. Es lohnt sich total, ihm zuzuschauen, weil er seine Routinen oft spontan an die jeweilige Situation anpasst. Da kann man sich super viele Ideen für Outs holen, falls mal was schiefgeht.
@link22:
https://c.tenor.com/WKrm6sojSukAAAAC/pantomima-pantomima-full.gif
Wenn ich merke, dass ich eine falsche Karte erwischt habe und es absolut keine Rettung mehr gibt, frage ich einfach, wie ihre Karte hieß. Sobald sie es mir sagen, tue ich so, als würde ich sie im Deck suchen, und behaupte, sie sei gar nicht drin – beziehungsweise, dass die Karte, die ich gerade gezeigt habe, eigentlich ihre sein müsste (obwohl sie es natürlich nicht ist). In diesem Moment kontrolliere ich ihre tatsächliche Karte nach ganz oben oder unten und mache einen Color Change, während ich sage, dass man sie nur kurz reiben oder schütteln muss (oder was auch immer gerade passt). Da erscheint ihre Karte, ich hebe das Deck ab, um die andere Karte zu verlieren, und weiter geht's!
Vorbeugung ist natürlich das A und O: viel üben, den Vorführbereich vorbereiten, die richtige Person und den passenden Moment wählen... aber kommen wir zu dem schwierigen Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und die Katastrophe quasi schon auf dem Tisch liegt... genau da: Wie zieht ihr euch da noch elegant aus der Affäre?
Gibt es da irgendwelche Stories, die ihr erzählen könnt?
@Zeta
@Boky
@cdiaz
@link22
@DeZeta
@jriberamagia
Ich glaube, es ist echt gut, einen Plan B zu haben, um einen Ausweg parat zu haben, falls mal ein Effekt schiefgeht. Wenn dir zum Beispiel ein Kunststück mit einem Ass misslingt, kannst du direkt den Vier-Asse-Trick machen, wenn du das Deck für beide Effekte halb vorpräpariert hast – so lässt sich das Ganze super retten!