Erwischt worden!
Hallo zusammen, ich bin neu hier und wollte mal etwas ansprechen, das mir passiert, wenn ich einen Trick vorführe.
Leute, vor allem Kinder, die einen den Trick gar nicht erst fertig vorführen und die Illusion genießen lassen. Egal, ob man eine Münze verschwinden lässt oder sonst was – sie rennen sofort her, um einem auf die Hände oder in den Schoß zu schauen, wo man die Münze hat fallen lassen, und machen einem damit den ganzen Trick kaputt.
Oder dass man erwischt wird, weil etwas schiefgegangen ist und man etwas – und sei es noch so minimal – hat aufblitzen lassen, wodurch sie einen Teil des Tricks oder direkt das ganze Geheimnis durchschauen.
Wie geht ihr mit diesen beiden Situationen um? Besonders die zweite macht mir ziemlich zu schaffen, weil man da schnell das Gefühl bekommt, einfach nicht gut genug zu sein, um überhaupt weiterzumachen.
Nun, das Erste liegt daran, dass du noch kein richtiges Zuschauer-Management entwickelt hast – das kommt erst mit der Erfahrung.
Manchmal triffst du auf jemanden, der dir die Tour vermasseln will, den typischen Besserwisser-Schwager... Aber es gibt auch Wege, wie du so jemanden elegant abfertigst.
Über den zweiten Punkt habe ich hier schon mal gesprochen. Oft machen wir den Fehler, dass wir zu viele Kunststücke und Techniken auf einmal lernen wollen. Wir sehen einen neuen Effekt, wollen ihn sofort können und am liebsten alles auf einmal beherrschen... Aber das hat den Haken, dass man die Griffe am Ende nicht wirklich beherrscht.
Bevor du den nächsten Schritt in der Zauberkunst machst, solltest du das Vorherige perfekt beherrschen. Und das geht nur über üben, üben und nochmals üben.
Such dir ein paar Kunststücke aus, die dir gefallen und deren Techniken du draufhast, und geh sie so oft durch, bis du sie quasi im Schlaf beherrschst... Es ist besser, 7 oder 8 Kunststücke richtig gut zu präsentieren als 20 nur so halbgar.
Und wenn du mal flasht und sie den Trick durchschauen – hey, halb so wild, das ist kein Drama. Das ist jedem von uns schon passiert, Fehler gehören beim Lernen einfach dazu.
Was den ersten Punkt angeht: Du musst die Zuschauerführung absolut beherrschen. Ich nehme an, das kommt mit der Zeit und viel Übung. Hier ist ein Beispiel für dich:
Viele Grüße
Hi @Danilpo, ergänzend zu dem, was die Kollegen schon geschrieben haben, möchte ich dir noch ein Buch auf Spanisch empfehlen, das mir von @DeZeta empfohlen wurde und mir richtig gut gefallen hat.
El ensayo del fallo von Angel Simal. Es ist ein recht günstiges Buch (für das, was Zauberbücher sonst so kosten) und es gibt eine sehr preiswerte Kindle-Version davon.
Zum zweiten Punkt: Fang am besten mit selbsttätigen Kunststücken an oder mit Effekten, die visuell absolut unmöglich zu durchschauen sind. Denn wenn du sehr schwierige Griffe benutzt und etwas schiefgeht, dann geht es richtig schief und du wirst direkt erwischt. Das sind nämlich zwei Paar Schuhe: Der Zuschauer kann sich fragen, wie das überhaupt möglich ist, oder es läuft so ab: „Nenn mir eine Zahl, die 12? 1, 2, 3, 4... 12. Was war deine Karte? Pik 3. Und was ist das hier? Karo 9?“ Das ist einfach nur ein misslungener Trick, aber sie haben dich nicht erwischt. Bei sehr griffintensiver Magie – oder wie man im Englischen sagt: „Sleight of Hand“ – kann dir beides gleichzeitig passieren.
Zum ersten Punkt: Du musst dir deinen Vortrag genau überlegen, damit sie dich respektieren und nicht einfach aufstehen oder so. Könntest du mir sagen, bei welchen Kunststücken oder Routinen dir diese Probleme passiert sind? Dann können wir gemeinsam an wichtigen Tipps und Details im Vortrag feilen. Ich zeige zum Beispiel einen Effekt, bei dem ich die Karte des Zuschauers scheinbar auf dem Tisch ablege. In Wirklichkeit lege ich aber durch einen Double Lift (oder einen Top Change) eine andere ab. Damit niemand sie umdreht und nachschaut, sage ich, dass wir sie erst ganz am Ende brauchen, und lege zusätzlich noch einen Gegenstand oder das Kartenetui darauf. Am Ende, wenn ich diese Karte (die gewählte) verwende, zeige ich sie nicht direkt, aber weil ich gerade etwas Interessantes erzähle, sagt niemand was – und wenn du es schnell machst, erst recht nicht. Viele Zauberer sagen ja, dass eine interessante Präsentation oder eine unterhaltsame Atmosphäre den eigentlichen Trick in den Hintergrund rückt. Ich empfehle dir das erste Kunststück aus dem Buch „Roberto Light“ von Roberto Giobbi. Falls du es nicht hast und Interesse besteht, sag Bescheid, dann schicke ich dir ein Foto der zwei Seiten, damit du diese Methode der Zuschauerführung verstehst.
Als Letztes würde ich dir raten: Wenn du das erste Problem vermeiden willst, und der Zuschauer versucht, dir auf die Hände oder in den Schoß zu schauen, fang an, laut und bestimmt zu sprechen. Dann hört er dir zu, statt hinzusehen. Zum Beispiel: Du gibst ihm eine Vorhersage, forcierst eine Karte und lässt sie dann verschwinden (indem du sie auf den Schoß fallen lässt). Wenn der Zuschauer dir nun in den Schoß schauen will, sagst du: „Aber warte, warte, warte, warte!“ „Ich habe dir doch vorhin eine Vorhersage gegeben, und das ist... deine Karte!“ In dem Moment entspannen sich alle. Und derjenige, der dir auf den Schoß schauen wollte, hat es im Moment der Enthüllung der Vorhersage höchstwahrscheinlich schon wieder vergessen. Genau in diesem Augenblick nimmst du die Karte unbemerkt aus dem Schoß und bringst sie irgendwo anders unter, um sie loszuwerden.
Ich hoffe, das hilft dir weiter. Und falls du oder sonst jemand das Kunststück aus dem Buch haben möchte, sagt mir einfach Bescheid. Das ist echt eine Bombe, absolut genial und der einfachste Trick, den ich je gemacht habe – daher auch der Name „T.N.T.“. Und sag mir ruhig, bei welchen Kunststücken dir diese Probleme passieren, damit wir am Vortrag feilen können.
Danke und bis bald!
Richtig gute Tipps, @OierAgirresarobe!
Weißt du, mir passiert es beim 6-Karten-Mentaltrick (bei dem man dem Zuschauer die Karten nacheinander einzeln zeigt, bis es 6 sind, und ihn dann fragt, ob er schon an eine gedacht hat) immer wieder, dass dieser typische Zuschauer fragt: „Und warum müssen es ausgerechnet diese 6 Karten sein und nicht irgendeine beliebige Karte aus dem Deck?“ Mich würde interessieren, ob du da einen Tipp für mich hast.
P.S.: Meinst du, du könntest den Buchtrick mit uns teilen? 😝
Danke, Kumpel, liebe Grüße!
Hallo.
Für das Zweite hilft nur eins: Proben, Proben und nochmals Proben. Wenn dich das am meisten verunsichert, liegt es wahrscheinlich daran, dass du einfach noch mehr üben musst. Mein Rat ist, niemals einen Trick vorzuführen, den du nicht mehr als genug geprobt hast. Übe ihn zuerst viele Male für dich selbst, führe ihn dann jemandem vor, dem du vertraust (der dich nicht auslacht, wenn er den Trick durchschaut, sondern der dir hilft, weil er dir sagt, was er gesehen hat usw. So kannst du nach und nach die Fehler korrigieren), und erst ganz am Schluss präsentierst du ihn dem Publikum. Vor unterschiedlichem Publikum – das wird dir helfen, ihn zu perfektionieren.
Viele Grüße
Danke für die Tipps, werde ich auf jeden Fall im Hinterkopf behalten!